Vielleicht ist heute der Anfang davon, dass du dich wirklich erkennst
Du glaubst zu wissen, wer du bist, was du kannst und wo deine Grenzen liegen. Aber was, wenn ein Teil davon nur eine Geschichte ist, die du dir schon so lange erzählst, dass du sie für die Wahrheit hältst?
Es gibt Fragen, die wir hören und beinahe im selben Augenblick wieder vergessen. Und dann gibt es diese anderen Fragen. Sie bleiben irgendwo hängen. Man denkt zunächst gar nicht weiter darüber nach, doch irgendwann sind sie wieder da – beim Autofahren, unter der Dusche, bei einem Spaziergang oder abends kurz vor dem Einschlafen.
Eine solche Frage hat mich lange beschäftigt und ist schließlich zum Ausgangspunkt für Epiphany Code geworden:
Was, wenn du dich dein ganzes Leben unterschätzt hast?
Damit meine ich nicht, dass jeder Mensch alles erreichen kann, wenn er nur fest genug daran glaubt. Natürlich gibt es Grenzen. Wir haben unterschiedliche Voraussetzungen, Talente und Möglichkeiten, wir werden älter, erleben Rückschläge und können nicht jede äußere Bedingung unseres Lebens kontrollieren.
Mich interessieren vielmehr die anderen Grenzen. Diejenigen, die so selbstverständlich geworden sind, dass wir kaum noch auf die Idee kommen, sie zu überprüfen.
Wir lernen nicht nur die Welt kennen. Wir lernen auch, wer wir angeblich sind.
Schon als Kinder sammeln wir Erfahrungen über uns selbst. Ein anderes Kind läuft schneller. Jemand bekommt bessere Noten in Mathematik. Wir stehen vor einer Gruppe und bringen kaum ein Wort heraus, während ein anderer scheinbar mühelos alle zum Lachen bringt. Später kommen Ausbildung, Beruf, Beziehungen, Erfolge und Niederlagen hinzu. Menschen loben uns für bestimmte Eigenschaften und kritisieren andere, und ganz allmählich entsteht aus all diesen Erfahrungen ein Bild.
Unser Bild von uns selbst.
Daran ist zunächst nichts ungewöhnlich. Wir brauchen eine Vorstellung davon, wer wir sind. Problematisch wird es erst, wenn wir irgendwann vergessen, wie dieses Bild entstanden ist, und beginnen, es für eine objektive Beschreibung unserer Möglichkeiten zu halten.
Aus „Das habe ich bisher nicht geschafft“ wird dann „Das kann ich nicht“. Aus „Ich habe das nie gelernt“ wird „Dafür habe ich kein Talent“. Und aus „Mein Leben ist bisher so verlaufen“ kann irgendwann die stille Erwartung entstehen, dass es vermutlich auch in Zukunft so weitergehen wird.
Aus Erfahrungen werden Überzeugungen, aus Überzeugungen entsteht ein Selbstbild, und dieses Selbstbild beeinflusst wiederum, was wir versuchen, was wir vermeiden und was wir uns überhaupt noch vorstellen können.
Vielleicht stimmen viele dieser Überzeugungen sogar. Aber woher wissen wir, welche?
Genau diese Frage interessiert mich.
Deshalb entsteht Epiphany Code
Ich möchte hier nicht jede Woche einen neuen Text darüber veröffentlichen, dass du an dich glauben oder einfach positiver denken sollst. Davon gibt es bereits mehr als genug.
Mich interessiert etwas anderes. Ich möchte gemeinsam mit dir untersuchen, wie zuverlässig das Bild eigentlich ist, das wir von uns selbst und unserer Wirklichkeit besitzen.
Dafür wird es hier Geschichten und Gedanken geben, aber vor allem kleine Experimente. Wir werden uns mit Gedächtnis und Wahrnehmung beschäftigen, mit Aufmerksamkeit, Erwartungen und inneren Bildern. Wir werden beobachten, wie schnell unser Gehirn aus Erfahrungen Gewissheiten macht und wie sehr das, was wir erwarten, beeinflussen kann, was wir wahrnehmen und wie wir handeln.
Das Spannende daran ist für mich nicht irgendein einzelnes Experiment. Spannend wird es in dem Augenblick, in dem dein eigenes Ergebnis nicht mehr zu der Vorstellung passt, die du vorher von dir hattest.
Vielleicht hältst du beispielsweise dein Gedächtnis seit Jahren für ziemlich schlecht. Dann machen wir gemeinsam etwas, das nur wenige Minuten dauert, und plötzlich erreichst du eine Leistung, die du dir unmittelbar vorher nicht zugetraut hättest.
Natürlich beweist das nicht, dass von diesem Augenblick an alles in deinem Leben möglich ist. Aber es beweist etwas viel Interessanteres: Eine Überzeugung, die du über dich hattest, war möglicherweise keine Grenze. Sie war eine Annahme.
Und genau dort kann eine kleine Erkenntnis eine ziemlich große Frage auslösen.
Wenn ich mich dabei über mich selbst geirrt habe – wobei irre ich mich dann noch?
Vielleicht gibt es eine Fähigkeit, die du dir nie zugetraut hast. Vielleicht hast du irgendwann entschieden, dass du eben nicht sportlich bist, nicht kreativ, nicht geschäftstüchtig oder nicht der Mensch, der noch einmal von vorne beginnt. Vielleicht gibt es einen Beruf, ein Projekt oder einen Traum, der seit Jahren irgendwo in deinem Kopf liegt und den du längst unter unrealistisch abgelegt hast.
Nicht alles davon wird sich als Irrtum herausstellen. Darum geht es auch gar nicht.
Aber vielleicht lohnt es sich, noch einmal nachzusehen.
Manchmal reicht ein einziger Moment
Für solche Momente gibt es im Englischen ein schönes Wort: Epiphany. Es bezeichnet einen Augenblick plötzlicher Erkenntnis, in dem etwas, das vorher verborgen oder unklar war, plötzlich sichtbar wird.
Die Welt hat sich in diesem Augenblick nicht verändert. Und trotzdem ist danach etwas anders, weil du sie anders siehst.
Genau daher stammt der Name Epiphany Code.
Ich glaube nicht, dass es einen geheimen Code gibt, mit dem wir die Wirklichkeit nach Belieben steuern können. Der Code, den wir hier suchen, liegt vielmehr in einer Abfolge, die erstaunlich viel verändern kann: Wir erkennen etwas über uns selbst, verändern daraufhin etwas in unserem Denken oder Handeln und schaffen damit Voraussetzungen dafür, dass etwas Neues entstehen kann.
Erkennen → Verändern → Erschaffen.
Der letzte Teil ist dabei entscheidend, denn Selbsterkenntnis allein verändert noch kein Leben.
Du kannst hundert Bücher lesen, dir tausend Videos ansehen und irgendwann ziemlich genau verstehen, warum du dort stehst, wo du heute stehst. Wenn daraus keine andere Entscheidung und keine Handlung entsteht, wirst du vermutlich trotzdem dort bleiben.
Menschen besitzen jedoch eine bemerkenswerte Fähigkeit: Wir können etwas sehen, bevor es existiert.
Ein Haus existiert als Vorstellung, bevor der erste Stein gesetzt wird. Ein Unternehmen kann zunächst nichts weiter als eine Idee sein. Ein Buch existiert im Kopf eines Menschen, bevor jemand den ersten Satz geschrieben hat. Eine Reise beginnt als Vorstellung, lange bevor ein Koffer gepackt wird. Selbst ein anderes Leben kann zunächst nur als Bild davon existieren, wie dieses Leben eines Tages aussehen könnte.
Dann können wir beginnen, etwas zu tun. Wir informieren uns, lernen, sprechen mit Menschen, treffen eine Entscheidung und machen einen ersten Versuch. Vielleicht funktioniert er, vielleicht scheitert er. Wir bekommen eine Antwort von der Wirklichkeit, verändern unseren Weg und versuchen es erneut.
So kann irgendwann etwas vor uns stehen, das vorher nur in unserem Kopf existierte.
Nicht weil das Universum unseren Wunsch erfüllt hat, sondern weil eine Vorstellung zu einer Entscheidung, eine Entscheidung zu einer Handlung und eine Handlung zum Ausgangspunkt für weitere Möglichkeiten geworden ist.
Genau das meine ich mit Erschaffen.
Epiphany Code beginnt gerade erst
Vielleicht ist das sogar der schönste Zeitpunkt, um hier zu sein, denn diese Seite ist noch keine riesige Plattform mit Tausenden Mitgliedern und einem Archiv, durch das man sich tagelang klicken kann. Sie entsteht gerade.
In den kommenden Wochen möchte ich hier Gedanken, Geschichten und vor allem Experimente veröffentlichen, mit denen wir uns Stück für Stück einer Frage nähern: Wie viel von dem, was wir über uns selbst für unveränderlich halten, ist tatsächlich unveränderlich?
Hinter Epiphany Code entsteht gleichzeitig noch etwas Größeres. Seit langer Zeit arbeite ich an einem Buch, in dem diese Frage immer weiter wächst. Es beginnt mit kleinen Experimenten und führt irgendwann zu der wesentlich schwierigeren Frage, was ein Mensch mit seinem Leben anfangen würde, wenn er seinen bisherigen Grenzen nicht mehr vollständig vertraut.
Der Titel dieses Buches ist bewusst provokant:
DU BIST GOTT – Der Gott deiner Realität
Damit ist weder Allmacht gemeint noch die Behauptung, dass wir Unglück verhindern oder die äußere Welt allein mit unseren Gedanken kontrollieren könnten. Gemeint ist eine Fähigkeit, deren Bedeutung wir leicht unterschätzen: Wir können etwas sehen, das noch nicht existiert – und beginnen, es Wirklichkeit werden zu lassen.
Bis dieses Buch erscheint, möchte ich allerdings nicht einfach erzählen, worum es darin geht.
Ich möchte mit dir etwas ausprobieren.
Unser erstes Experiment beschäftigt sich mit deinem Gedächtnis. Es dauert nur wenige Minuten, und bevor wir beginnen, möchte ich eigentlich nur eines von dir wissen: Hältst du dein Gedächtnis für gut, durchschnittlich oder eher schlecht?
Merk dir deine Antwort.
Denn vielleicht ist heute tatsächlich der Anfang davon, dass du dich ein kleines bisschen besser kennenlernst.
Und möglicherweise beginnt alles mit der überraschenden Erkenntnis, dass du dich bisher unterschätzt hast.